Ein Exkursionsbericht der Fußball-Nachwuchskicker des SV Motor Altenburg

Mit Volldampf in den Herbst

Eine kleine Gruppe von Fußball-Nachwuchsspielern, Eltern und Betreuer des SV Motor Altenburg machte sich zu Beginn der Herbstferien, am 30.09.2017, auf den Weg zu einer nostalgischen Erlebnistour ins deutsch-tschechische Erzgebirge.

Mit der Bahn ging die Reise zunächst über Gößnitz, Glauchau und Chemnitz bis zur Bergstadt Wolkenstein. Dort stieg die Reisegruppe in einen Oldtimerbus der Baureihe H6. Der mittlerweile schon über ein halbes Jahrhundert alte Bus – zwischen 1952 und 1959 wurden diese Busse im VEB Kraftfahrzeugwerk „Ernst Grube“ in Werdau gebaut – tuckerte mit lauten Motorgeräuschen durch die schmalen Straßen durch das Erzgebirge. Während bei den Eltern Erinnerungen an Jugendzeit in der DDR aufkamen, wollten die Nachwuchskicker den Oldtimer am liebsten als Mannschaftsbus für die Fußball-Auswärtsspiele in Beschlag nehmen. Der Fahrer hatte aber was dagegen. Nach 30minütiger Fahrzeit erreichte der Bus den kleinen Ort Steinbach. Dort stand schon eine schnaufende Dampflok der Preßnitztalbahn bereit. In der nostalgischen Schmalspurbahn gab es sogar eine kleine Mitropa. Die Motor-Reisegruppe hatte es sich in der 1. Klasse auf den gepolsterten Sitzen bequem gemacht. Ein freundlicher Schaffner begrüßte alle Fahrgäste mit einer kleinen Ansprache persönlich. Pünktlich um 12:00 Uhr setzte sich die Lok unter lautem Signalton in Bewegung.  Dunkler, nach verbrannter Kohle riechender Qualm wehte im Fahrtwind entlang des Zuges. Auf der rund 10 Kilometer langen Strecke hatte die Bahn 160 Höhenmeter zu bewältigen. Nach einem Zwischenhalt in Schmalzgrube wurde im Lokschuppen von Schlössel ein kurzer Zwischenstopp eingelegt. In der Ausstellungs- und Fahrzeughalle konnten einige Dampfloks und Waggons bestaunt werden. Für die Kinder war eine Begehung der Führerstände natürlich ein besonderes Erlebnis. Nach der 15minütigen Pause dampfte der Zug nun die letzten Meter bis zum Endbahnhof Jöhstadt. Dort wurde eine kurze Mittagspause am Grillstand eingelegt. Für die Erwachsenen gab es im Festzelt eine Verkostung hopfenartigerer Getränke. Anschließend ging es nun auf eine kleine Wandertour ins tschechische Vejprty. Vom Panorama-Grenzweg hatte man einen schönen Blick auf die auf 780 m ü. NHN gelegene Landstadt Jöhstadt.  

Die Stadt liegt an der Landesstraße 265. Im Jahre 1892 erhielt das bis dahin abgelegene Jöhstadt mit der Schmalspurbahn Wolkenstein–Jöhstadt einen Eisenbahnanschluss. Nach der Einstellung des Verkehrs auf dem letzten Teilstück bis Jöhstadt 1984 wurde die Strecke zunächst abgebaut. Nach der politischen Wende begann ab 1992 der Wiederaufbau der Strecke bis Steinbach. Der 2000 begonnene Museumseisenbahnbetrieb der Preßnitztalbahn durch Schmalzgrube nach Steinbach, an Wochenenden mit Dampflokomotiven, trägt seitdem maßgeblich zur touristischen Bedeutung der Region bei. Die Stadt Jöhstadt ist dabei seit 1994 das konzessionierte Eisenbahninfrastrukturunternehmen für die Schmalspurbahn. Die Anbindung an Annaberg-Buchholz und weitere Nachbarorte wird heute täglich mit den Linienbussen der Regionalverkehr Erzgebirge sichergestellt. In die tschechischen Nachbarorte Černý Potok (Pleil-Sorgenthal) und Kryštofovy Hamry (Christophhammer) bestehen Wander-Grenzübergange von Jöhstadt bzw. Schmalzgrube aus.

Unsere Tour führte über den Grenzübergang Černý Potok. Am Ende des kleinen Grenz-Ortes führte der Wanderweg mit der blauen Markierung nach rechts in den Wald hinauf. Viele verschiedene Pilzarten wurden links und rechts des Weges entdeckt. Nach ca. 4,5 km eröffnete sich dann, am Ende des Waldes, ein Blick auf den gegenüberliegenden Bärenstein mit seinem Aussichtsturm. Links sah man am Horizont den Fichtelberg und daneben die höchste Erhebung des Erzgebirges, den mit 1243,7 m hohen Klinovec (Keilberg). Weiter ging es nun bergab nach Vejprty. Nach einem Bummel über den Einkaufsmarkt, hatten wir noch Zeit für eine Einkehr ins Restaurant „Pod Lipami“ (Unter den Linden). Natürlich gab es das böhmische Nationalgericht, Knödel mit Gulasch und Kraut, kredenzt durch ein edles Pivo. Danach ging es mit einem tschechischen Triebwagenzug vom Bahnhof Vejprty aus bis nach Cranzahl. Dort stand bereits die Erzgebirgsbahn bereit, die dann wieder bis Chemnitz fuhr. Nach Fahrplan, pünktlich um 20:38 Uhr, kam die Reisgruppe voller Eindrücke wieder in Altenburg an.      

Steffen Dieg


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